Stückdetails

theater.direkt
Regina Madre von Manlio Santanelli
Inszenierung von Michael Kolnberger
Von Manlio Santanelli
Regie Michael Kolnberger
Bühne Arthur Zgubic
Mit Susanne Szameit & Torsten Hermentin
Verlag Felix Bloch Erben Berlin
Produktion theater.direkt

1938 in Neapel geboren absolvierte Santanelli ein humanistisches Gymnasium und promovierte in Rechtswissenschaft, bevor er beim staatlichen Sender RAI in der Kulturabteilung seine Karriere begann. Der grosse Erfolg seiner ersten Komödie „Uscita di emergenza“(1980) ermöglichte ihm als freier Autor und Dramaturg zu arbeiten. Zwischen 1981 und 1992 lebte er in Rom und Umbrien und ab 1996 wieder in seiner Geburtsstadt Neapel, dessen berühmtester Theatersohn, der Autor und Schauspieler Eduardo de Filippo(1900 bis 1984) zu seinem Vorbild wurde.

Dieser kämpfte gegen das damalige zentralistische Bestreben einer Sprachnormierung während des italienischen Faschismus und wurde zum wortstarken Verfechter des Regionalismus. Fillipo gründete das bis heute bestehende „Teatro San  Ferdinando“ und avancierte zum napolitanischen Volksdichter. Seine Komödien sind nicht lediglich Dialektstücke, sondern Komödien, in denen der Dialekt vermittelbare Sprache wird und somit doch universal wirkt.

 Die Stoffe entnahm Fillipo dem Alltag des Volkes und kritisierte autoritären Strukturen vom mafiosen unterwanderten Staatsgebilde bis zur katholischen Kirche, dessen Konkordanz das konservative Nachkriegsitalien bis heute prägt. Seine Typen entspringen der „Commedia dell Arte“, insbesondere die in Neapel entstandene Figur des Pulcinella, einer Spielart des venezianischen Arlecchino.

Santanellis zweite literarische Quelle ist das antibürgerliche Theater des Sizilianers Luigi Pirandello, der Ibsens Zentralthema der Lebenslüge in moderne ästhetische Formen überführte. Gemischt mit den spezifischen südländischen Themen ( Machismo, Unauflösbarkeit der Ehe, Doppelmoral, Korruption) und unter dem Einfluss des absurden Theaters ( Beckett, Pinter, Mrozek) entwickelte er das napolitanische Theater weiter zu bitterbösen, grotesken Farcen mit vielen ironischen Brechungen. Dabei verschmelzen in seinen Komödien Ernst und Komik, Schein und Sein mit psychologischer Tiefe und einer saloppen, pointierten Leichtigkeit seines sprachlichen Stils.

In „Regina Madre“ verarbeitete Santanelli den auch als südländisches Klischee anmutenden Konflikt zwischen einer Übermutter und einem Muttersohn: die aktuelle Wirtschaftskrise, vor allem in den Mittelmeerländern und die hohe Arbeitslosenrate bedingt nach den Aufbaujahren der 50-iger und 60-iger Jahre wiederum eine lange Verweildauer oder Rückkehr der Kinder in den Familienverband.Und dort hat die italienische, südländische Mutter eine ganz andere Rollenfunktion als in unserer Kultur, die immer vom Patriachat bestimmt wurde.

„Alfred“ lebt in „Regina Madre“ so schlecht und recht als nicht sehr erfolgreicher Journalist bei einer Tageszeitung, seine Ehe läuft aus und er entscheidet sich, zu seiner Mutter zu ziehen, um sie zu pflegen. Dabei will er ihr Leben mit seinem bereits verstorbenen Vater - den seine Mutter nicht aufhört überzuidealisieren - nachzeichnen, mit der Absicht daraus eine gute verkäufliche Geschichte zu publizieren. Doch die scheinbar pflegebedürftige Dame durchschaut sein Vorhaben und schüttet unaufhörlich mit spitzem Mundwerk Salz in seine seelischen Wunden, die Alfreds Lebensentwürfe zum Scheitern gebracht haben.Sein fragiler Gesundheitszustand bleibt ihr zunächst verborgen, ihr Ziel ist es, ihren verlorenen Sohn ganz egoistisch  wieder an sich zu binden.

 Die Lebenslügen und psychologischen Verstrickungen der Familie beschreibt Santanelli mit viel Feingefühl und schlagfertigen Dialogen. Er verwandelt einen grundsätzlich tragischen Stoff durch die Brechung und finale Umkehrung der Erwaltungshaltung in eine existentielle Komödie, die den pirandellesken Konflikt von Schein und Sein humoristisch entfaltet.

Die Rolle der „Regina Madre“ wurde von den ganz grossen Darstellerinnen des italienischen als auch des deutschen Theaters verkörpert und 1990 an den Münchner Kammerspielen in deutscher Sprache erstaufgeführt.

Von seinen bislang 35 Theaterstücken ist „Regina Madre“ das national und international meist gespielteste und eines des erfolgreichsten des italienischen Nachkriegsdramas.

Neben dem Mutter- Sohn Stoff interessiert mich politisch die Frage wie sich die Pflegesituation in Österreich entwickeln wird. Nach Ausagen des zuständigen Sozialministers müssen wir mit einer Verschärfung der Vorgaben rechnen, da unser Sozialsystem immer schwieriger zu finanzieren sein wird. Kommen dann nur noch diejenigen zur Anerkennung der Pflegestufe, welche die besseren Komödien spielen, weil reale Kritierien einfach zunehmend inhumane Barrieren darstellen? Wie weit sind Angehörige belastbar Pflegebedürftige zu unterstützen? Die Salzburger Landesregierung hat kürzlich ein interessantes Angebot vorgelegt.

Pirandellos Ästhetik befasste sich am Beginn der Moderene des Novecento mit dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit, Wahrheit und Fiktion. Hundert Jahre später stehen wir vor der Tatsache, dass die sogenannte Realwelt in Politik, Medien und Ökonomie sich eigentlich nur noch in Lügenmärchen hüllt und die Kunst, vor allem das Theater, die eigentliche Wahrheit vertritt, weil sie ja nicht verheimlicht, dass was sie zeigt, Fiktion ist.

Foto (c) Piet Six

"... Michael Kolnberger und die beiden Darsteller lassen das Unbestimmte zwischen den Genres bestens herauskommen ..." (dpk, 17.11.2015)

TheaterSchauspielSalzburger Erstaufführung

November 2015

DatumBeginnVeranstaltungTicketinfo
Freitag13.11.Beginn20:00
Salzburger Erstaufführung
Regina Madre von Manlio Santanelli
Samstag21.11.Beginn20:00
Regina Madre von Manlio Santanelli

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Donnerstag26.11.Beginn20:00
Regina Madre von Manlio Santanelli

Dezember 2015

DatumBeginnVeranstaltungTicketinfo
Donnerstag03.12.Beginn20:00
Regina Madre von Manlio Santanelli