Nachgefragt: Asip & Jenny

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Nachgefragt: Asip & Jenny

Am Mittwoch, den 12. Oktober fand die Premiere des Stückes „Asip & Jenny“ statt. Wir haben bei der Schauspielerin Sonja Zobel nachgefragt:

kleines theater: Du spielst im Moment in Salzburg, was bedeutet für dich dieses Stück?

Sonja Zobel: Es bedeutet momentan alles für mich, denn das Thema der Flüchtlingsproblematik polarisiert überall. Das Stück beschönigt jedoch nichts, sondern zeigt nur, dass man keine Angst vor dem Fremden haben muss. Es soll Mut machen, die eigene Perspektive herauszufordern und auf den Anderen einzugehen, ihn kennenzulernen, bevor man ihn verurteilen würde. Asip und Jenny zeigen es vor. Sie lernen einander kennen, verlieren ihre Vorurteile und können so voneinander profitieren.

kleines theater: Erzähl uns etwas von deinem Werdegang? Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?

Sonja Zobel: Ganz klassisch durch das Krippenspiel, bei dem ich schon mit 5 Jahren den tauben und höchst komischen Hirten spielen durfte. Durch die Schule hinweg blieb das Theater immer mein Mittelpunkt, sodass sich der Schritt zum Schauspielstudium in London ganz natürlich ergeben hat.

kleines theater: Eine Geschichte voller Ziele und Hoffnungen junger Menschen. Gibt es Asip und Jenny wirklich? Oder ist die Geschichte frei erfunden?

Sonja Zobel:  Asip gibt es wirklich, er ist jetzt 17, und ich habe ihn bereits kennen gelernt und er ist ein sehr sehr netter liaber junger Mann.
Ich bin jedoch überzeugt, dass solch eine Freundschaft überall dort existiert, wo Flüchtlinge integriert worden sind und auch als normale Menschen anerkannt werden. Alaaeldin Dyab ist ja auch geflohen und durch die intensive Zusammenarbeit habe ich ihn unglaublich liebgewonnen.

kleines theater: Gibt es eine Zielgruppe für dieses Stück?

Sonja Zobel: Auf keinen Fall! Ich denke, dass dieses Stück für jedem wertvoll ist, denn Fremdenangst zieht sich durch alle Altersklassen und Sozialschichten. Zum Beispiel freue ich mich schon sehr,  wenn meine 95 Jährige Oma das Stück sieht. Da die Medien Flüchtlinge oft als Verbrecher hinstellen, hat sie große Vorurteile. Jedoch denke ich, dass sie diese komplett verlieren wird, wenn Sie merkt, dass sowohl Asip als auch Alaa liebenswürdige, gutherzige Menschen sind. Man muss sich nur zu Bewusstsein rufen, dass vor gut 100 Jahren wir es waren, die den Schrecken des 2. Weltkrieges entkommen wollten.

kleines theater: Hast du durch den Probenprozess etwas dazugelernt?

Sonja Zobel: Unglaublich viel. Gerade am Anfang habe mir die Gespräche mit Alaa gezeigt,  wie schlimm so eine Flucht ist und mich wundert es wirklich, dass man solche Erfahrungen unbeschadet überstehen kann. Noch dazu glaube ich, dass dieses endlose Warten auf einen möglichen Bescheid zermürbend ist. Alaa kann weder Schwester noch Bruder besuchen, darf nichts arbeiten und  hätte er nicht das Theater, so wäre da nur eine endlose Leere.